Gut gemachte Podcasts und Radio-Talks sind das Ding der Stunde. SR-Journalist Uwe Jäger weiß wie’s geht!
Er gehört zu den prägenden journalistischen Stimmen im Saarland – nicht, weil er laut ist, sondern weil er Haltung zeigt. Seit vielen Jahren führt Uwe Jäger durch die SR-3-Talksendung „Aus dem Leben“, die längst zu den bekanntesten und beliebtesten Gesprächsformaten des Landes zählt. Woche für Woche trifft er dort Menschen mit besonderen Geschichten: Autorinnen und Autoren, Abenteurer, Wissenschaftler, Fernsehgesichter, Sportler oder Persönlichkeiten, deren Lebensweg außergewöhnlich ist.
Doch Jäger begegnet nicht nur prominenten Gästen im Studio. Frühmorgens ist er regelmäßig mit dem GuMo-Mobil im ganzen Saarland unterwegs. Mit dem kleinen Übertragungswagen besucht er Menschen dort, wo ihr Alltag stattfindet – in Werkstätten, Vereinen, Küchen, Ateliers oder auf Feldern. So entstehen Begegnungen, die oft spontan, manchmal skurril, aber immer authentisch sind und das Saarland in seiner ganzen Vielfalt zeigen.
Was seine Gespräche auszeichnet, ist die Verbindung aus ruhiger Neugier, sorgfältiger Vorbereitung und einer freundlichen Beharrlichkeit. Uwe Jäger hört aufmerksam zu, fragt nach, lässt Pausen zu und gibt seinen Gesprächspartnern den Raum, ihre Geschichte zu erzählen. So entstehen Interviews, die häufig mehr als eine Stunde dauern und dennoch nie langatmig wirken.
Seine Stärke liegt darin, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen. Menschen öffnen sich, weil sie spüren, dass ihnen ehrlich zugehört wird – nicht, weil ihnen spektakuläre Aussagen entlockt werden sollen. Vielleicht ist genau das sein größtes Talent: Er führt Gespräche, denen man gerne zuhört.
Kein Wunder also, dass viele Ausgaben von „Aus dem Leben“ zu den meistgehörten Podcasts des Saarländischen Rundfunks gehören. Ob in der SR-Mediathek, im Radioprogramm oder mit dem GuMo-Mobil vor Ort – Uwe Jäger bleibt seiner journalistischen Haltung treu: Menschen sprechen lassen, statt über sie zu sprechen. Respekt, gründliche Vorbereitung und ein feines Gespür für sein Gegenüber prägen seine Arbeit. Effekthascherei ist ihm ebenso fremd wie Selbstinszenierung. Er stellt Fragen, die weiterführen, statt solche, die nur Aufmerksamkeit erzeugen. Genau das macht ihn zu einem der profiliertesten Gesprächsjournalisten des Saarlandes.
L!VE: Du gehörst zu den bekanntesten Medienschaffenden im Saarland. Weil man Dich aber nur hört und nicht sieht, wirst Du vermutlich deutlich seltener erkannt als Fernsehmoderatoren. Ist das manchmal schade?
Uwe Jäger: Also, das ist schon in Ordnung so. Aber klar: Wenn ich dann doch erkannt werde, freue ich mich natürlich. Wenn jemand sagt: „Die Stimme kenne ich doch“, überrascht mich das immer wieder. Witzigerweise gerade dieser Tage im Krankenhaus. Da fragte mich eine Krankenschwester: „Sind Sie vom Radio? Ich dachte, die Stimme kenne ich.“ Das passiert also schon mal, wenn auch eher selten, und das ist dann wirklich ein schönes Kompliment. Wenn die Leute sagen, sie hören mir gerne zu oder begleiten mich dienstags mit „Aus dem Leben“ oder später mit dem Podcast, dann zaubert mir das schon ein Lächeln ins Gesicht. Genau das ist für Radiomacher eines der schönsten Komplimente.
L!VE: Wie findest Du Deine Themen und vor allem die richtigen Fragen?
UJ: Ich lasse mich da hauptsächlich von meiner Neugierde und meinem Interesse an den Geschichten meiner Gäste treiben und dem, was die Person, die Geschichte oder beim SR 3 „GuMo-Mobil“ auch der Ort ausmacht. Und ich bin gerne gut vorbereitet, schon allein aus Respekt vor meinen Gästen! Für SR 3 „Aus dem Leben“ nehme ich mir viel Zeit, um herauszufinden, was meine Gäste auszeichnet, was sie besonders macht, was sie vielleicht auch von jemand anderem unterscheidet. Mich interessieren Ecken und Kanten, Brüche im Lebenslauf oder unerwartete Wendungen im Leben, die so nicht geplant waren. Ich schaue dann, das ich einen Zugang finde. Als Gastgeber möchte ich, dass die Leute sich bei mir wohlfühlen und sich öffnen und gerne erzählen. Im besten Fall vergessen sie irgendwann, dass es ein Interview ist, und erleben einfach ein gutes Gespräch.
L!VE: Deine ruhige Art, Fragen zu stellen – und natürlich auch Deine markante Stimme – öffnen vielen Menschen die Türen. Ist das Dein größtes journalistisches Pfund?
UJ: Was ich schon merke, ist, dass die Leute sich freuen und es wertschätzen, wenn man sich wirklich für sie interessiert und für das, was sie machen und warum sie es machen. Die sagen sich dann, guck mal, der interessiert sich wirklich und fragt jetzt nicht nur was ab. Was mir, glaube ich, auch hilft: Ich kann gut zuhören. Ich muss nicht immer sofort reingrätschen, sondern halte es auch aus, wenn jemand etwas länger braucht, um einen Gedanken zu Ende zu bringen. So kommen die Gäste oft ins Erzählen und haben die Chance, Dinge zu sagen, die sie vielleicht noch nie erzählt haben. Manchmal merke ich auch, dass sich Menschen durch eine Frage plötzlich an etwas erinnern. Es ist schon vorgekommen, dass jemand gesagt hat: „Schön, dass Sie mich daran erinnern. Das hatte ich schon ganz vergessen.“
L!VE: Wie lange im Voraus bereitest Du Dich für einen Gast vor?
UJ: Das ist immer ganz unterschiedlich. Manchmal ist es ganz kurzfristig, weil gerade jemand zufällig im Saarland ist und ich denke, das wäre ein spannender Gast, auf den habe ich schon lange gewartet und dann probiere ich mein Glück. Idealerweise bleibt mir für die Vorbereitung so lange Zeit, dass ich das Gefühl habe, gut vorbereitet zu sein. Aber irgendwie denkt man trotzdem immer wieder hinterher, wenn ich jetzt noch etwas mehr Zeit gehabt hätte, dann wäre es vielleicht noch besser gewesen. Aber ich habe manchmal auch schon die Erfahrung gemacht, wenn die Zeit knapp war und man sich einfach auf den Gast einlässt, dass so auch schöne und spannende Gespräche entstehen. So, dass auch ich überrascht werde, wo das Gespräch dann auf einmal hingeht, was ich vielleicht gar nicht vorhatte und mir sage, guck mal, das war jetzt nicht geplant aber trotzdem richtig spannend.

L!VE: Spielt dieser Überraschungsmoment auch beim „GuMo-Mobil“ eine Rolle?
UJ: Das GuMo-Mobil ist ein bisschen mehr Freestyle. Was ja auch schon die Uhrzeit mit sich bringt. Ich meine, es ist ein großer, großer Vertrauensbeweis von den Leuten, dass sie mich morgens um sechs in ihr Wohnzimmer, in ihren Stall, in ihre Werkstatt oder wo auch immer rein lassen. Da öffnen sich Türen von Saarländerinnen und Saarländern, wo ich mich auch freue und dankbar bin, dass ich stellvertretend für die SR3-Hörer dahintergucken darf. Weil alles live ist, Tiere dabei sein können oder die Menschen gerade mitten bei der Arbeit sind, lässt sich vieles nicht planen. Aber genau das macht den Reiz aus.
L!VE: Wann klingelt denn der Wecker, wenn Du mit dem „GuMo-Mobil“ unterwegs bist?
UJ: Das kommt immer darauf an, wohin es im Saarland geht. Wenn ich jetzt nach Freisen-Oberkirchen oder Scheiden muss, dann kann es sein, dass es eher weh tut, weil der Wecker auch mal vor fünf klingelt. Und unser Bulli ist ja auch mit seinen fast 50 Jahren nicht so schnell. Im Sommer ist es traumhaft, so früh unterwegs zu sein, wenn der Tag und das Saarland langsam wach werden. Im Winter fällt es dagegen schon mal schwerer, wenn es draußen noch dunkel und kalt ist.
L!VE: Trotzdem hört man Dir an, dass Du selbst zu diesen Uhrzeiten Spaß an Deinem Job hast.
UJ: Absolut. Das ist ein großes Geschenk und macht sehr viel Spaß. Und deswegen stehe ich, obwohl ich wirklich kein Frühaufsteher bin, gerne morgens auch schon mal vor fünf Uhr auf, nicht zuletzt, weil ich so das Land und die Saarländerinnen und Saarländer über die Jahre als Wahlsaarländer wirklich auf eine besondere Art und Weise kennenlernen durfte. Ich bin froh, dass sie immer wieder so offen sind und uns morgens ihre Türen und Herzen öffnen, was etwas Besonderes ist und nicht selbstverständlich.
L!VE: Mit wie vielen Personen fallt ihr denn bei den Leuten ein?
UJ: Das bin nur ich, mit unserem Bulli und mittlerweile nur noch mit Smartphone und Mikro. Das ist auch das Besondere, dass wir da nicht mit großem Gedeck kommen. Was natürlich auch hilft, ist der Bulli, das „GuMo-Mobil“. Das öffnet auch Türen, weil die Leute unheimlich viel mit dem Auto verbinden, mit diesem Bus. Entweder sie hatten selbst mal einen oder hätten gerne einen gehabt. Mir selbst zaubert er auch immer ein Lächeln aufs Gesicht, wenn ich morgens mit ihm losfahren darf. Und ich mag das auch, dass sich viele unterwegs im Saarland freuen, wenn sie das „GuMo-Mobil“ sehen.
L!VE: Zwei Formate, die unterschiedlicher kaum sein könnten: das einstündige und gut vorbereitete Gespräch bei „Aus dem Leben“ und das spontane „GuMo-Mobil“. Fühlst Du Dich in beiden Welten gleichermaßen zu Hause?
UJ: Ja, auf alle Fälle, gerade weil beide so unterschiedlich sind. Das Tolle bei „Aus dem Leben“ ist, dass ich Zeit für meine Gäste habe und mehr in die Tiefe gehen kann, auch wirklich mal eine Frage mehr stellen kann und so oft mehr erfahre. Und das ist was, was mir viel Spaß macht und wo ich auch merke, dass das den Zuhörerinnen und Zuhörern viel Spaß macht. Ein schönes Kompliment ist, wenn sie sagen, wir lassen dienstags den Fernseher aus und hören auf der Terrasse, beim Kochen oder einfach nur so zu oder eben später dann den Podcast. Mit dem GuMo-Mobil entdecke ich immer wieder etwas Neues im Saarland und durch beides lerne ich ständig dazu.
L!VE: Du hast „Aus dem Leben“ zwar nicht erfunden, aber inzwischen trägt die Sendung unverkennbar Deine Handschrift und ist zu einem echten Leuchtturmformat geworden. Darf man darauf ein bisschen stolz sein?
UJ: Die Idee zu diesem Talkformat hatten meine damaligen Chefs Stefan Miller und Eberhard Schilling. Meine Kollegin Katja Preißner hat sich das als Redakteurin mit ausgedacht und mich dann in der Anfangszeit ganz stark unterstützt. Mittlerweile kümmere ich mich allein darum. Ende des Jahres gibt es „Aus dem Leben“ seit zehn Jahren. Und ich bin auch immer wieder überrascht, wie vielfältig und spannend die Menschen, ihre Geschichten und das Leben sind. Egal ob prominent oder nicht. Es ist immer wieder schön zu erleben, was die Leute für Leidenschaften haben und mit welcher Begeisterung sie Dinge machen oder wie sie auch mit Schicksalsschlägen oder Herausforderungen umgehen. Ich fühle mich sowohl bei „Aus dem Leben“ als auch mit dem „GuMo-Mobil“ sehr wohl und freue mich, dass ich da quasi zwei Inseln habe, an denen ich angelegt habe.
Die Podcasts zum Nachhören auf ARD-Sounds, sr3.de und auf SR Deins auf YouTube




