Hallo Mikrokosmonauten: Der richtige Moment sitzt wahrscheinlich auf der Couch

Neulich bin ich über einen Satz gestolpert, der mich erst irritiert und dann zum Lachen gebracht hat. Da stand einfach nur: „Du brauchst nicht mehr Zeit. Du brauchst weniger Angst.“ Mein erster Gedanke war: Aha. Sehr schön. Vielen Dank auch für diesen motivierenden Kalenderspruch aus der Kategorie „Hör einfach auf, kompliziert zu sein.“. Ich meine: Zeit ist doch das, worauf wir uns im Leben am liebsten berufen. Wenn etwas nicht klappt, sagen wir immer: „Das braucht einfach noch ein bisschen Zeit.“. Die Wohnung wird irgendwann aufgeräumt. Die zehn Kilo verschwinden irgendwann von selbst. Und die Steuererklärung macht sich vielleicht auch irgendwann allein. Zeit ist so etwas wie der universelle Puffer unseres Lebens. Eine Art mentaler Parkplatz für Dinge, die wir gerade nicht anfassen wollen. Dabei ist Zeit meistens völlig unschuldig. Aber was bedeutet das eigentlich konkret? Wovor haben wir denn so große Angst? Vor falschen Entscheidungen? Vor dem Scheitern? Oder vielleicht einfach davor, dass sich etwas verändert, wenn wir wirklich handeln?

 

Ist es wirklich die Zeit, die uns fehlt? Oder fehlt uns manchmal schlicht der kleine Schritt, der alles ins Rollen bringt?

Die Wahrheit ist: Wir schieben Dinge nicht auf, weil wir zu wenig Zeit haben. Wir schieben sie auf, weil wir Angst haben. Vor Entscheidungen. Vor Konsequenzen. Oder vor der Erkenntnis, dass wir vielleicht längst wissen, was wir tun müssten. Und während wir also sehr beschäftigt darauf warten, dass irgendwann, „der richtige Moment“ kommt, sitzt der wahrscheinlich irgendwo auf der Couch, isst Chips und denkt sich: „Du könntest auch einfach anfangen.“ Deshalb habe ich beschlossen, diesem Satz doch noch eine Chance zu geben. Vielleicht stimmt er ja. Vielleicht brauchen wir tatsächlich nicht mehr Zeit. Vielleicht brauchen wir einfach nur ein bisschen weniger Angst.

 

Die Sache mit dem richtigen Moment

Wenn ich ehrlich bin, warte ich schon ziemlich lange auf diesen berühmten „richtigen Zeitpunkt“. Ich stelle mir ihn inzwischen fast wie eine Person vor. Er müsste eigentlich irgendwann man an der Tür klingeln. Mit Aktentasche vielleicht. Oder wenigstens mit einem kleinen Fähnchen, auf dem steht: „So, jetzt: Jetzt wäre der richtige Moment.“ Bis jetzt hat er sich allerdings erstaunlich rar gemacht. Kein Klingeln. Kein Fähnchen. Nicht mal eine Postkarte. Dabei wäre ich bereit gewesen – bin es immer noch. Ich würde sogar aufräumen. Zumindest ein bisschen. Stattdessen sitze ich also weiterhin hier und warte auf diesen perfekten Moment, der offenbar ein sehr beschäftigter Mensch ist. Wahrscheinlich steckt er gerade irgendwo im Stau. Oder er hat beschlossen, lieber noch schnell bei jemand anderem vorbeizuschauen. Und während ich darüber nachdenke, wird mir langsam klar: Vielleicht kommt dieser „richtige Zeitpunkt“ gar nicht. Vielleicht müssen wir ihn einfach selbst erfinden. Und ich stelle mir die Frage:

 

Was wäre alles passiert, wenn wir nicht auf den richtigen Moment gewartet hätten?

Und vielleicht liegt genau da der kleine Denkfehler: Wir behandeln den „richtigen Moment“, als wäre er so etwas wie ein verspäteter Zug der deutschen Bahn. Man weiß, er müsste irgendwann kommen, man hat nur keine Ahnung, wann. Also sitzt man auf der Bank, schaut auf die Uhr, seufzt ein bisschen – und hofft, dass er sich doch noch erbarmt.

 

Aber was, wenn der richtige Moment gar nicht kommt?

Denn Hand aufs Herz: Wie oft haben wir Dinge aufgeschoben, weil wir glaubten, noch nicht bereit zu sein? Noch nicht genug Geld. Noch nicht genug Mut. Noch nicht genug Plan. Aber wann genau tritt dieser magische Zustand ein, in dem plötzlich alles perfekt vorbereitet ist? Kommt da irgendwann ein offizieller Brief vom Universum: „Sehr geehrte Damen und Herren, Sie sind nun vollständig bereit für ihr Leben. Sie dürfen beginnen.“

Oder passiert es vielleicht eher so: Man stolpert hinein. Ein bisschen chaotisch. Ein bisschen zu früh. Ein bisschen zu spät. Aber immerhin in Bewegung. Denn während wir noch darüber nachdenken, ob wir bereit sind, passiert draußen längst etwas anderes: Menschen treffen Entscheidungen, sagen Dinge, wagen Schritte – und stellen danach fest, dass sie gar nicht so mutig waren, sondern einfach nur angefangen haben. Und genau da wird es interessant. Was wäre eigentlich das Schlimmste, was passierten könnte, wenn wir den perfekten Moment ignorieren? Dass wir uns irren? Dass wir etwas lernen? Dass wir feststellen, dass der Plan doch nicht so genial war wie gedacht? Oder dass plötzlich etwas in Bewegung kommt, das wir jahrelang nur aus sicherer Entfernung betrachtet haben? Vielleicht besteht das eigentliche Problem also gar nicht darin, dass uns Zeit fehlt. Vielleicht fehlt uns manchmal einfach der kleine, unspektakuläre Moment, in dem wir sagen: „Ach komm. Ich probiere es jetzt einfach.“ Nicht morgen. Nicht „wenn es besser passt“. Nicht, „wenn alles geklärt ist“. Sondern jetzt. Und wer weiß – vielleicht stellt sich am Ende heraus, dass der berühmte Moment die ganze Zeit da war. Nur eben ohne Fähnchen.

Und genau deshalb musste ich am Ende doch wieder an diesen Satz denken, über den ich zuerst so gelacht habe. „Du brauchst nicht mehr Zeit. Du brauchst weniger Angst.“. Vielleicht ist das gar kein Kalenderspruch. Vielleicht ist es einfach nur eine ziemlich unbequeme Wahrheit.

Liebe Mikrokosmonauten: Wie viele Dinge in eurem Leben stehen eigentlich gerade irgendwo auf dieser imaginären Warteliste für den „richtigen Moment“? Das Gespräch, das ihr schon längst führen wolltet. Die Idee, die ihr seit Monaten mit euch herumtragt. Der Schritt, von dem ihr eigentlich wisst, dass er irgendwann sowieso kommen wird. Mich interessiert eure Meinung: Worauf wartet ihr gerade noch? Auf Zeit oder vielleicht doch ein bisschen auf Mut? Schreibt mir gern. Ich bin gespannt auf eure Geschichten.

melanie.hartmann@live-magazin.de

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