Wer sich Gina Wetzel nähert, wird schnell mit der Frage konfrontiert, ob es so was wie zu viel Talent geben kann.

Es gibt Künstlerinnen, die Bilder erschaffen – und solche, die ganze Welten bauen. Gina Wetzel gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Die saarländische Designerin, Illustratorin und Model hat sich in den vergangenen Jahren eine unverwechselbare Position zwischen Fantasy‑Kunst, Mode‑Design und alternativer Ästhetik erarbeitet. Ihre Arbeiten sind nicht nur Objekte, sondern Inszenierungen: tragbare Kunstwerke, die Geschichten erzählen.

Bekannt wurde sie zunächst als Illustratorin. Bereits früh gewann sie Preise in der Manga‑Szene, veröffentlichte Arbeiten bei Egmont Manga und entwickelte einen Stil, der zwischen Märchen, Surrealismus und Popkultur oszilliert. Doch ihre künstlerische Neugier führte sie weiter – weg vom Papier, hinein in die Welt der dreidimensionalen Objekte. Für ihr Label Black Unicorn fertigt sie heute handgemachte Headpieces, Kronen, Hörner, Schmuck und Kostüm‑Elemente, die international gefragt sind. Ihre Kreationen wirken, als seien sie aus einer anderen Welt gefallen: filigran, detailverliebt, manchmal düster, manchmal elfenhaft – immer mit einer klaren Handschrift. Wetzel verbindet klassisches Handwerk mit Fantasy‑Design, Gothic‑Elementen und modernen Fashion‑Einflüssen.

Dass sie viele ihrer Stücke selbst präsentiert, ist kein Zufall. Als Model inszeniert sie ihre Kunst mit einer Selbstverständlichkeit, die zeigt, wie eng ihre Identität mit ihrer Arbeit verwoben ist. Ihre Fotos wirken wie Standbilder aus einem Film, der irgendwo zwischen Dark Fairy Tale und Avantgarde‑Mode spielt.

Sie beschreibt ihre Kunst als Mix aus allem, was sie inspiriert – und das sieht man. Ihre Arbeiten sind geprägt von Naturmotiven, Mythologie, Subkulturen und einer spürbaren Freude am Experiment. Dabei bleibt sie immer zugänglich: Ihre Stücke sind nicht nur für Bühnen oder Fotoshootings gedacht, sondern auch für Menschen, die sich im Alltag ein wenig Magie gönnen wollen.

Nicht nur im Saarland ist Gina Wetzel längst eine feste Größe der freien Kunst‑ und Designszene. International hat sie sich eine treue Community aufgebaut, die ihre Mischung aus Handwerk, Fantasie und Persönlichkeit schätzt. Sie ist eine Künstlerin, die Grenzen nicht ignoriert, sondern neugierig überschreitet – und dabei eine Welt erschafft, die so eigen ist, dass man sie sofort erkennt.

 

L!VE: Wie lange dauert Deine Antwort, wenn Du nach Deinem Beruf gefragt wirst?

Gina Wetzel: Ziemlich kurz, ich bin Künstlerin und Designerin. Allerdings bilden all meine Tätigkeiten zusammen ein großes Multiversum.

 

L!VE: Hattest Du jemals eine Chance, etwas anderes zu tun oder haben Dir Deine Begabungen gar keine andere Wahl gelassen?

GW: Ich glaube das war mir ziemlich unmöglich. Mein Tag hat schon zu wenige Stunden, um all meinen kreativen Ideen nachzugehen und meine To-do-Liste würde wahrscheinlich 500 Jahre füllen. Ich habe das riesen Glück immer große Unterstützung von meiner Familie bekommen zu haben, also gab es auch nie einen Plan B. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.

 

L!VE: Welchem glücklichem Umstand ist der Erstkontakt mit Mangas zu verdanken?

GW: Den verdanke ich dem ZDF. Seit ich dort als kleines Mädchen die deutsche Erstausstrahlung von „Sailor Moon“ gesehen habe, war es um mich geschehen. Ich kannte zwar schon andere Anime-Serien, aber so etwas hatte ich noch nie gesehen. Die vielen unterschiedlichen starken weiblichen Heldinnen, die spannenden Geschichten und zahlreichen queeren Charaktere – das hat mich alles extrem begeistert.  Und weil es nicht nur mir so ging, wurde dadurch auch der erste Manga-Boom in Deutschland ausgelöst und eine völlig neue Comic-Szene entstand. So bin auch ich bei einem Verlag gelandet und habe meinen ersten Comic „Orcus Star“ veröffentlicht, das war eine tolle Zeit.

 

L!VE: Ist Dir Dein Diplom an sich wichtig?

GW: Überhaupt nicht. Mein Diplom liegt tatsächlich seit meinem Abschluss unberührt im Schrank und in meinem Beruf hat keiner je danach gefragt. Tatsächlich ist es auch so, dass ich mir den Großteil meiner Fähigkeiten autodidaktisch angeeignet habe. Ich liebe es zu lernen und neues Wissen zu erlangen, aber im deutschen Bildungssystem habe ich mich immer sehr gelangweilt, weil Kreativität selten gefördert wird. Tatsächlich haben auch die meisten Künstler, die ich bewundere keine entsprechende Berufsausbildung.

 

L!VE: Wer oder was inspiriert Dich?

GW: Ich bin da extrem breit aufgestellt. Eigentlich inspiriert mich so ziemlich alles von klassischer Kunst bis Popkultur. Von Antike bis Gegenwart. An manchen Tagen inspirieren mich Mythen, Märchen und die Natur, am nächsten Tag kann es schon eine bekloppte Realty-TV-Show sein. Ich falle sehr gerne in Recherche-Rabbit Holes zu den verrücktesten Themen. Eins meiner großen Idole ist David Bowie (der übrigens nicht gestorben, sondern nur zu seinem Planeten zurück gekehrt ist), der in seinem Leben neben der Musik ständig neue Formen des Ausdrucks gesucht hat.

 

L!VE: Wie schaffst Du es, Dich bei so vielen Talenten nicht zu verzetteln?

GW: Wie man das schafft wüsste ich auch gern! Weil ich bei Black Unicorn Hüte, Halsketten und Kostümteile von Gothic bis Fantasy entwerfe, sammelt sich da einiges an. Ich denke der Weg zu einer tollen Idee ist immer mit den Leichen vieler dummer Ideen gepflastert, die man fallen lassen muss. Sehr viel im Schaffensprozess ist eben Trial and Error, und das ist völlig okay so.

 

L!VE: Ist Black Unicorn eine One-Woman-Show?

GW: Ich mache tatsächlich alles komplett alleine und empfinde das auch als großen Vorteil. Jedes einzelne Stück, von der Halskette bis zur Skulptur geht durch meine eigenen Hände und das macht mich sehr stolz. Handwerk und Arbeit ist heut zu Tage oft etwas sehr unpersönliches, aber in meinem Beruf ist es so, dass ich zu jedem Gegenstand und Kunden persönlichen Kontakt habe, und das schätze ich extrem.

 

L!VE: Könntest Du einen Lieblingsort auf der Welt benennen?

GW: Japan ist für mich eine zweite Heimat und Tokyo mein absoluter Kraftort. Ich habe mich dort von Anfang an zuhause gefühlt, da es dort eine starke alternative Modeszene und Subkultur gibt. Jeder Tag in Tokyo ist unglaublich inspirierend. Da ich schon für japanische Modemagazine und Designer gemodelt und fotografiert habe, verfüge ich dort über gute Kontakte.

 

L!VE: Wie wichtig ist Social Media für Dich?

GW: Social Media ist ein wichtiger Teil meines Jobs. Instagram ist mein wertvollstes Tool, wenn es darum geht meine Projekte in die Welt zu tragen. Ich bin sehr dankbar für meine treue Community dort, die mich seit Jahren unterstützt. Viele meiner Follower und Kunden kann ich mittlerweile zu meinen Freunden zählen. Ohne Social Media gäbe es auch Black Unicorn so nicht.

 

L!VE: Du fotografierst Dich oft selbst, oder?

GW: Früher habe ich oft mit Fotografen gearbeitet, mittlerweile sind aber die meisten meiner Fotos Selbstportraits. Manchmal unterstützen mich mein Partner oder Freunde, aber ich bin da ein kleiner Kontrollfreak und gestalte am liebsten alles vom Setdesign bis zum Editing selbst. Da ich ein Heimstudio und hinter meinem Haus phantastische Naturlandschaften habe, ist es sehr einfach gute Fotos zu machen.

 

L!VE: Inwieweit beeinflusst KI Deine Arbeit?

GW: Ich bin tatsächlich ein leidenschaftlicher KI-Hater und verwende ausschließlich organische Intelligenz. Für uns Künstler war es schon immer nicht leicht von unserer Arbeit zu leben, aber seit viele von uns von generativer KI ersetzt werden ist es noch viel härter für uns geworden. Sogar Firmen wie Disney haben begonnen ihre Kreativen reihenweise zu feuern und durch KI zu ersetzen, die makabererweise mit der Arbeit dieser Künstler trainiert wurde. Mir graut es vor einer nahen Zukunft in der Menschen nur noch arbeiten, während seelenlose Kunst und Musik von Computern gemacht werden. Es braucht da unbedingt mehr Bewusstsein und Regulierung, darum hoffe ich auf eine starke Gegenbewegung zu diesem Trend.

 

L!VE: Schaffst Du es auch, Dir Zeit für Dich selbst zu nehmen?

GW: Mein Feierabend ist mir ziemlich heilig und abends wird das Atelier fast immer pünktlich zugesperrt. Wenn man sein eigener Chef ist, ist es sehr wichtig auch ein guter Chef zu sein. Auch meine Wochenenden halte ich meistens frei. Ausnahmen mache ich da nur für spannende Events und Festivals, auf denen ich als Creator arbeite, aber solche Jobs sind auch 50% Spaß.

 

Bei so vielen Talenten fehlt eigentlich nur noch die Musik. Wann ist mit den ersten Releases zu rechnen? 

GW: Ich habe zusammen mit Oliver Satyr das von mir illustrierte Märchen-Hörbuch „Feengold“ veröffentlicht, und darin hört man meinen Gesang auch auf zwei Songs! Das war etwas ganz Neues für mich und ein schönes Erlebnis.
Ich singe auch leidenschaftlich gern und würde gerne mehr in dieser Richtung machen. In einem anderen Leben wäre ich Sängerin in einer Riot Girl Band. Wie gesagt, der Tag hat einfach zu wenige Stunden für mich.

 

L!VE: Was können wir in der Zukunft von dir erwarten?

GW: Ich möchte unheimlich gerne wieder Zeichenworkshops in der Region anbieten. Das habe ich vor vielen Jahren bereits erfolgreich gemacht, und gerade in Zeiten von KI und Brainrot finde ich es wichtiger denn je, den Nachwuchs zu fördern und Menschen Freude an ihrer eigenen Kreativität zu vermitteln. Da bin ich bereits mit mehreren Veranstaltern im Gespräch.

 

 

Werbung im L!VE Magazin ist effektiv und günstiger als Sie denken.

Mit einer Werbung im L!VE Magazin erreichen Sie junge Trendsetter  im gesamten Saarland und der angrenzenden Pfalz mit dem Schwerpunkt im Großraum Trier, Zweibrücken, Pirmasens und Kaiserslautern.

0681/ 9 60 10 34

Privacy Preference Center